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Neues Mitglied bei SENS: Wir lernen weiter

17. juin 2026Portraits, SENS-News
Tobias_Schär_NL

Wir lernen weiter (wLw) ist ein gemeinnütziger Verein aus Merenschwand (AG), der aufbereitete Laptops an armutsbetroffene Menschen in der Schweiz weitergibt. Das Hilfswerk funktioniert ohne klassische Geldspendelogik: Mehr als 90 Prozent der Einnahmen stammen aus Unkostenbeiträgen, die der Verein für abgegebene Geräte erhält. So wird ein Kreislauf geschaffen, der die digitale Teilhabe für alle ermöglicht und professionelle Dienstleistungen anbietet: ressourcenschonend, transparent und mit Fokus auf erzielter Wirkung.

SENS Suisse heisst Wir lernen weiter als neues Mitglied herzlich willkommen und freut sich über den Austausch im Netzwerk.

Interview mit Tobias Schär, Gründer und Geschäftsleitung von Wir lernen weiter

Welche gesellschaftliche Wirkung will Wir lernen weiter erzielen und wo siehst du das Unternehmen diesbezüglich in 5 Jahren?

In unserem reichen Land ist Armut nicht wirklich sichtbar. Wer arm ist, hat mit vielen Problemen zu kämpfen: beispielsweise auch einer realen Gefahr der digitalen Ausgrenzung durch fehlende Arbeitsgeräte, wie ein Laptop. Wer dies nicht hat, kann nicht selbstständig Bewerbungsunterlagen erstellen, einer beruflichen Grundbildung nachgehen oder sich erfolgreich in unserem Land integrieren. Wir wollen diese Lücke konkret schliessen: mit aufbereiteten Laptops, die direkt bei Menschen ankommen, die sie brauchen und nicht finanzieren können. In fünf Jahren soll das Modell so skaliert sein, dass wir die Nachfrage in der ganzen Schweiz (ca. 40’000 Geräte pro Jahr) zuverlässig bedienen können.

Welche Potenziale siehst du im wirkungsorientierten / sozialen Unternehmertum?

Das grösste Potenzial liegt in der Glaubwürdigkeit. Wer seinen Impact messen und belegen kann, muss nicht auf Mitleid setzen. Die Wirkungsfinanzierung spiegelt sehr ehrlich wider, ob unsere Arbeit überhaupt qualitativ nutzbar ist: Denn wenn wir nicht sauber arbeiten, können wir unsere Wirkung nicht finanzieren. Es herrscht somit bei uns ein intrinsisch motiviertes Denken, um fortlaufend effizienter und besser zu wirken. Das ist ein völlig anderes Fundament als beim klassischen NPO-Modell, bei welchem ein Grossteil der Einnahmen aus bedingungslosen Geldspenden oder Stiftungsgeldern stammt. Ich glaube, dass wirkungsorientierte Organisationen, die ähnlich denken wie wir, langfristig mehr Vertrauen aufbauen und stabiler wachsen. Denn wenn das Geld einfach kommt, besteht kein Anreiz um sich zu verbessern.

Worin bestehen für Wir lernen weiter die Herausforderungen in der Gegenwart, und mit welchen Herausforderungen rechnest du in der Zukunft?

Die grösste heutige Herausforderung ist es, kostendeckend zu wirken. Die wirtschaftliche Aufbereitung ist pro Gerät abzuwägen. Unsere Verhandlungsposition ist auf dem freien Markt nicht zwingend besser, nur weil wir ein Hilfswerk sind. Auch bei uns macht ein Grossteil der Auslagen das Personal aus, aber auch Ersatzteilbeschaffungen, Infrastruktur und Mieten. Wir wirken mit beschränkten Mitteln, die ein langsames Wachstum erzwingen, welches erst erarbeitet werden muss. Gleichzeitig wächst der Bedarf Jahr für Jahr. Aktuell erhalten wir für unsere schweizweite Mission weder politische Unterstützung auf nationaler Ebene noch Geräte von bundesnahen Organisationen. Dies, obwohl wir ein Problem lösen, das die Steuerzahlenden langfristig entlastet und Unternehmen bei End-of-Lifecycle- Prozessen kostenlos unterstützt. Die Sichtbarkeit unseres Vereins ist zu klein für die Gesamtwirkung, die wir bereits heute erzielen: und daran müssen wir heute und morgen ernsthaft arbeiten.

Was ist die Intention von Wir lernen weiter sich als Mitglied bei SENS anzumelden? Welche Vorteile siehst du als Mitglied? 

Wir sehen uns als ein funktionierendes Beispiel einer Organisation, bei der sozialer Auftrag und unternehmerisches Denken nur gemeinsam funktionieren. SENS ist genau das Netzwerk, das diese Kombination ernst nimmt. Wir erhoffen uns den Austausch mit Organisationen, die ähnliche Fragen stellen: Wie misst man Wirkung seriös? Wie bleibt man finanzierbar, ohne die eigene Mission zu verwässern? Und wie kommuniziert man ehrlich über Erfolge und Grenzen? Zu wissen, dass man nicht alleine ist, hilft auch uns zu wachsen.

Herzlichen Dank für das Interview!

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