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Neues Mitglied bei SENS: Velafrica

22. Oktober 2026Portraits, SENS-News
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Velafricas Vision ist eine Welt, in der alle Menschen die Vorteile der Velomobilität zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen nutzen können. Hierzu sammelt die gemeinnützige Organisation ausgediente Velos in der Schweiz und in Deutschland und lässt sie in Betrieben für berufliche Integration und Justizvollzugsanstalten reparieren oder zu Ersatzteilen verarbeiten. Die Velos und Ersatzteile exportiert Velafrica zu Partnerunternehmen in mehreren afrikanischen Ländern. Dort erleichtern die Velos den Menschen den Zugang zu Bildung, Einkommen und Gesundheit und es entstehen Jobs und Ausbildungsplätze rund ums Velo.

SENS heisst Velafrica als neues Mitglied herzlich willkommen und freut sich über den Austausch im Netzwerk.

Interview mit Michel Ducommun, Co-Leitung bei Velafrica

Welche gesellschaftliche Wirkung will Velafrica erzielen und wo siehst du das Unternehmen diesbezüglich in 5 Jahren?

Wir nutzen das Velo als Mittel, um eine soziale, ökologische und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Zum Beispiel fördern wir das Weiterverwerten von wertvollen Ressourcen und den Zugang zu umweltfreundlicher Mobilität, aber auch Bildung und berufliche Perspektiven. Dieser Ansatz wird in Zukunft gerade in Afrika noch an Wichtigkeit gewinnen, weil viele Regierungen grossen Wert auf nachhaltige Mobilität und Stadtentwicklung legen, aber gleichzeitig auch Jobs geschaffen werden müssen. Wir sehen uns und unsere Partner in fünf Jahren daher als zentrale Akteure, die gleichzeitig Zugang zu Velos, Bildung und Jobs ermöglichen. Zusätzlich sehen wir uns noch mehr als heute in einer beratenden Funktion für lokale Akteure, um die Vorteile von Velomobilität aufzuzeigen und so voranzutreiben.

Welche Potenziale siehst du im wirkungsorientierten / sozialen Unternehmertum?

Für mich liegt das Potenzial darin, dass wir uns bei allem fragen: Was ist die Wirkung unserer Arbeit? Was bringt es unseren Mitarbeitenden? Was bringt es der Schweizer Bevölkerung? Was bringt es der Wirtschaft in Tansania oder der Umwelt in Burkina Faso? Und zwar nicht nur heute, sondern auch morgen und in zehn Jahren. Davon lassen wir uns leiten – und nicht etwa wie klassische Unternehmen davon, möglichst viel Umsatz zu generieren und die Interessen von Aktionär:innen ins Zentrum zu stellen.

Worin bestehen für Velafrica die Herausforderungen in der Gegenwart, und mit welchen Herausforderungen rechnest du in der Zukunft?

Gegenwärtig ist eine grosse Herausforderung, dass in der internationalen Zusammenarbeit und auch im sozialen Bereich viele Gelder gekürzt werden. Das erhöht den Druck auf unser Modell, weil es zum Beispiel beim Bewerben um Finanzierungsmöglichkeiten mehr Konkurrenz gibt. Wir müssen unsere Einnahmen umso mehr diversifizieren und anderweitig sicherstellen, was viel Zeit und Ressourcen bindet. Für die Zukunft machen uns z.B. die steigenden Energiepreise Sorgen, weil das die Kosten für den Veloexport hochtreibt. Gleichzeitig gibt es die Tendenz zu vermehrten Regulierungen, die die Einfuhr von Second-Hand-Ware in Afrika einschränken. Der Grundgedanke davon ist gut – es soll die Länder vor schlechter Ware schützen. Es heisst aber auch, dass wir der Qualität der Velos Beachtung schenken müssen. Und auch die Entwicklung zur vermehrten E-Mobilität in europäischen Ländern, aber auch in Afrika, ist ein grosses Thema. Daher testen wir zurzeit in einem Pilotprojekt die Nutzung und das Potential von E-Bikes in Afrika, was ein zusätzliches Standbein werden könnte. Dabei bauen wir auf den Strukturen, Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen auf, die wir gemeinsam mit lokalen Partnern aufgebaut haben.

Was ist die Intention von Velafrica sich als Mitglied bei SENS anzumelden? Welche Vorteile siehst du als Mitglied? 

SENS ist die einzige Dachorganisation für soziales Unternehmertum, das die Anliegen von sozialen Unternehmen über verschiedene Branchen aufnimmt und vorantreibt. Hier treffen wir also ganz unterschiedliche Unternehmen an, auch ausserhalb der internationalen Zusammenarbeit und der Branche rund um Recycling und Kreislaufwirtschaft, die wir durch andere Netzwerke abgedeckt haben. So können wir viel Neues lernen und uns austauschen. Wir möchten durch die Mitgliedschaft auch zur Stärkung sozialer Unternehmen auf politischer Ebene beitragen, weil wir finden, dass sie noch mehr Gewicht bekommen sollten und noch mehr als Vorbild einer nachhaltigen Wirtschaft dienen können, die Wirtschaftlichkeit mit Wirkungsorientierung verbindet.

Herzlichen Dank für das Interview!

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