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EU-Fördergelder für Social Enterprises sind vorhanden aber schwer zugänglich

10. décembre 2025SENS-News, Wissen
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Ein Beitrag von Beni Rohrbach

Die Komplexität ist hoch

    Als ich mich vor einigen Jahren intensiv mit EU-Förderprogrammen auseinandergesetzt habe, waren sie bereits komplex. Das hat sich nicht geändert. Auch heute ist es alles andere als trivial herauszufinden, welcher Action-Type in welchem Cluster von welchem Pillar aus welchem Förderinstrument sich nun für ein konkretes Vorhaben eignet. Und ob die Schweiz dann für die jeweilige Ausschreibung zugelassen ist, steht nochmals auf einem anderen Blatt (hier kann jedoch euresearch weiterhelfen). Das Gute daran ist aber, dass Förderung für die verschiedensten Bedürfnisse besteht, sei für Forschung (z.B. über Marie Skłodowska-Curie), für einen Praktikeraustausch (z.B. über ERASMUS+), um eine Technologie zur Marktreife zu bringen (z.B. über Horizon) oder für einen Austausch unter Angestellten der öffentlichen Hand (z.B. über Interreg). 

    EU-Mittel für internationale Projekte 

      Die Anforderungen an ein EU-Projekt sind hoch und der Aufwand zur Entwicklung eines Gesuchs beträchtlich. Allein die Anforderungen an das Konsortium sind hoch. Dafür sollte ein robustes EU-Netzwerk bestehen, denn ein EU-Projekt kann gut mal 12 Partner aus 6 verschiedenen Ländern umfassen (hier hilft übrigens das Enterprise Europe Netzwerk)

      Entsprechend stellt sich die grundsätzliche Frage: Muss oder soll das Projekt überhaupt international sein? Gibt es beispielsweise eine passende Ausschreibung von Innosuisse, wo allerdings im Gegensatz zu einigen EU-Programmen in der Regel die Zusammenarbeit mit einer Hochschule gefordert ist?

      Andererseits sind die gesprochenen Beträge mit mehreren Millionen pro Projekt auch entsprechend gross und ermöglichen so ambitionierte, grenzüberschreitende Vorhaben.

      Doch gibt es einige Themen die am besten international angegangen werden. Mögliche Themen aus dem SENS-Themenpool sind beispielsweise internationale Lieferketten für BuySocial oder um ein international vergleichbares Impact Measurement.

      Cascade Funding: Die niederschwellige Alternative

        Als quasi «Horizon-Light» gilt ein relativ neues Förderinstrument: Cascade Funding. Dabei gibt die EU dem Konsortium mit dem Projektzuschlag einen grösseren Betrag, damit dieser danach selbst kleinere Ausschreibungen tätigt, um Projekte (typischerweise um die 50’000 Euro) zu finanzieren.

        Wer daran teilnehmen darf, ist abhängig vom jeweiligen Hauptprojekt, doch Schweizer Partner sind in der Regel zulässig. Die Herausforderung besteht darin, diese Ausschreibungen überhaupt zu finden. Hier hilft die Plattform cascadefunding.eu/open-calls weiter.

        Eintauchen in die EU-Innovations- und Förderlandschaft

          Die finalen Texte für die Horizon-Ausschreibungen 2026 erscheinen im Dezember 2025. Einen ersten Einblick in die Entwürfe gewinnen Sie hier: sciencebusiness.net/horizon-papers

          Einen vertieften Einblick in die Community oder auch relevante Calls gewinnt man bei spezifischen Treffen in Brüssel und/oder auch online wie beispielsweise:

          Wer sich für ein Thema interessiert kann sich hier über Veranstaltungen informieren. Die offiziellen Ausschreibungenerfolgen dann über die EU Funding and Tenders Plattform.

          The time is now: Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist

            Die Schweiz wird ab Ende 2025 voraussichtlich wieder ein assoziiertes Mitglied für Horizon Europe sein. Damit besteht Rechtssicherheit bis 2027. Ob dies anschliessend im neuen Horizon-Programm ebenfalls der Fall sein wird, ist unklar. Generell ist für das neue Programm (welches auch ein neues EU-Budget erfordert) noch einiges offen.

            Fazit

              EU-Förderprogramme bleiben komplex – aber für ambitionierte Social Enterprises mit internationaler Ausrichtung können sie bedeutende Chancen bieten. Ob beispielsweise Cascade Funding für kleinere Projekte oder Horizon Europe für grössere Vorhaben: Die Landschaft ist vielfältig. Entscheidend ist, sich frühzeitig zu orientieren, die richtigen Partner zu finden und realistisch einzuschätzen, ob die europäische Förderlandschaft für das eigene Vorhaben tatsächlich die Beste ist.